Teppichklopfer und Wagner zur Apokalypse

Manche Leute haben Ideen. Kürzlich ging mir ein Licht auf, als ich feststellte, dass am 21. Dezember nicht nur der letzte Tag ist (oder der erste, laut Maya-Kalender), sondern auch der kürzeste (laut Wintersonnenwende). Und prompt meinte ein hoch geschätzter Kollege, da könne man es sehen: es gebe eben auch sinnvoll angelegte Kalender. Da musste ich doch energisch widersprechen. Ich sehe nicht, wie ein Kalender sinnvoll sein kann, der mit dem 21.12. beginnt! Es ist doch viel logischer und suggestiver, einen Kalender mit dem 1.1. beginnen zu lassen! Also ne, manche Leute haben Ideen!

Am 19. Dezember ist Peter Struck gestorben. Ich mochte den. Aber ansonsten ist die Apokalypse ja leider nicht so eingetreten, wie viele gehofft hatten. Gut, die Merkel ist immer noch Bundeskanzler, der Altmaier immer noch Umweltminister. Und nächstes Jahr ist Richard-Wagner-Jahr. Also sozusagen schleichende Apokalypse. Im Ernst, ich denke, wenn die Welt untergeht, dann durch menschlichen Einfluss. Bleiben wir doch nur mal bei Richard Wagner. Der hat ja damals den Vietnam-Krieg musikalisch untermalt.

Zumindest in der einen Szene, die ich aus Francis Ford Coppolas Kino-Klassiker Apocalypse Now kenne. In der greifen die Amis mit einer Reihe Hueys (Spitzname für die Hubschrauber vom Typ Bell UH-1) ein Dorf an. Alter, 7000 Stück hatten die davon in Vietnam, 7000 Stück! Gut, von denen mussten sie 5000 freundlicherweise zurücklassen. Jedenfalls wurden diese Dinger auch Teppichklopfer genannt, wegen ihres charakteristischen und von weit her hörbaren Fluglärms. Die Kombination aus Teppichklopfer und Wagner finde ich in der Tat äußerst bedrohlich, und die Szene enorm stark. Watch it!

Letztes Wochenende habe ich einen lieben Freund in Stuttgart besucht. Schön haben die es da. Den etwas übertriebenen Hang zu Diminutiven (Ländle, Lädle, Häuslebauen) verbuchen wir mal unter Charme. Vor allem hat mir der Campus in Vaihingen gefallen. Die haben ne sprechende Kaffeemaschine. Kein Witz! Man drückt auf 'n Knopf und sagt dann Kaffee. Aber det muss 'n Prototyp jewesen sein, wa. Denn dann passiert erst mal jar nischt. Jut, nu hatte ick leider 'n Kaffe bütte jesacht, wie et halt so meine Art is, jute Kinderstube un so. Det hat det kleine Maschinchen wohl direkt n bisschen übafordert, wa. Det beste an die Jeschichte is, det de einfach uffn andern Knopf drücken kannst, und denn kriegste dein' Kaffe sofort, ohne erst Opern zu quatschen. Ick liebe Technik!

So, Freunde, und jetzt erst mal schöne Feiertage. Halt! Zum Abschluss nochmal etwas Ernstes.

Die Frage, ob es gerade für einen sozialdemokratischen Politiker nicht anstößig sei, für einen Vortrag so viel Geld zu bekommen wie einfache Arbeitnehmer für fast ein ganzes Jahr Arbeit, kontert Schmidt mit einem ungewöhnlichen Vergleich: Zwar verdiene Steinbrück mehr als viele Arbeitnehmer, das träfe aber auf zahlreiche Leute zu, die eine hervorragende Stellung in der öffentlichen Meinung einnehmen. Nehmen Sie Johann Wolfgang Goethe, dem ging es auch saumäßig gut! Diese Leute waren oder sind aber Teil der geistigen Führung dieser Nation.

Wir sollten uns nicht davon beirren lassen, dass da der überpräsente und selbstgerechte Altkanzler Helmut Schmidt zu uns spricht. Denn ich finde, er hat Recht. Statt immer neidisch auf Steinbrück zu sein, sollten die Leute lieber selbst zur geistigen Führung der Nation aufsteigen. Ach, dafür reicht die RTL-Bildung nicht? Na, so ein Pech! Außerdem frage ich mich, was ich mit so einem Steinbrückschen Honorar anfangen sollte – etwa 750 Kästen Eibauer kaufen? Und dann?

Schmidt selbst habe es sich übrigens zur Regel gemacht, keinen Vortrag für weniger als 15000 Dollar zu halten. Ich wette, wenn er nett fragt, bezahlen die ihn auch in harter Währung.

Matthias Büchse am 23. Dezember 2012

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