Finale

Nach einem leckeren Abendbrot (und möglicherweise auch einem Bierchen) zuhause auf dem Sofa sitzen, den lieben Gott einen guten Mann sein lassen, und sich auf anständigen Kopfhörern Brothers in Arms von Dire Straits reinziehen. So kann der Abend beginnen. Morgen freilich wird es nicht so friedlich ablaufen.

Wie sagte doch der große Kommentator unserer Zeit in seiner Rubrik Wischmeyers Logbuch der Bekloppten und Bescheuerten?

Mia san mia
– oder auf Deutsch:
doof bleibt doof!

Natürlich distanziere ich mich von so einem despektierlichen Schwachsinn! Zwar gönne und wünsche ich den Dortmundern den Sieg im Champions-League-Finale, aber ich kann mich auch an den exzellent aufspielenden Bayern ergötzen, insbesondere wenn es sich abermals um Musiker handelt.

Im Tatort von Pfingstmontag hat der Bösewicht seine Frau erschossen, weil sie zu viel über seine Geschäfte im Pharmabereich wusste. Dem Kommissar, den seinerseits eine amouröse Geschichte mit der Frau verband, teilte er sinngemäß mit: Natürlich war das schmerzhaft für mich, aber wir müssen alle Opfer bringen! Genau – viel zu selten wird doch die Frage gestellt, wer das eigentliche Opfer ist. Danke an den lieben Stuttgarter Freund, bei und mit dem ich den Tatort sehen durfte.

Am Samstag war ich in Ingolstadt Village in einem Klamottengeschäft und habe ein Hemd gekauft. Der Mann von Welt zahlt mit Kreditkarte. Also stecke ich die Karte in das Lesegerät, ziehe sie nach entsprechender Zeit wieder heraus und stecke sie in mein Portemonnaie. Während in unterschreibe, macht mich die Kassiererin darauf aufmerksam, dass sie meine Karte noch einmal brauche, wegen der Unterschrift. Ich erwidere trocken: Kein Problem, ich habe für jede Unterschrift eine Karte. Die hat vielleicht Augen gemacht...

Kommen wir zu ernsteren Fragen. Zum Beispiel: Ey Mabü, wieso hastn du bei deinem letzten Artikel [Anm. vom 26. Mai: Artikel entfernt, da nicht ausgereift] keine Literatur angegeben, du Sau? Guter Punkt. Was wäre die Welt ohne Literatur? Ich meine: Die Unschuld ist weg; jetzt, da der Mensch zum Denken fähig ist, hat er auch keine Entschuldigung mehr, wenn er es nicht tut. Vorbei die Zeiten des fröhlichen Vor-sich-hin-Lebens, willkommen im Land des Grübelns und Zweifelns. Aber nicht verzagen, denn mithilfe moderner Literatur wird das Gegrübel durchaus produktiv: Der Weg führt aus dem erfüllten unbewussten Leben über das unerfüllte bewusste Leben hin zum erfüllten bewussten Leben. Es muss eben immer erst mal schlechter werden, bevor es besser werden kann.

Weitere interessante Bücher, die aber nicht direkt mit dem Artikel zu tun haben: Dan Ariely. Predictably Irrational: The Hidden Forces That Shape Our Decisions. Der Autor betreibt behavioral economics und erforscht auf empirische Weise, wie Menschen sich immer wieder (vorhersagbar) irrational verhalten – lesenswert. Außerdem Daniel Kahnemann. Thinking, Fast and Slow. Der Autor beschreibt, wie sich unser Denken in zwei sehr verschiedene Modi einteilen lässt – grob gesagt: unbewusstes Bauchdenken und bewusstes, logisches Kopfdenken – und er beschreibt, wie wir von Letzterem profitieren können. Ähnlich wie schon der Eagleman beschreibt auch der Kahnemann, dass der Mensch eben verschiedene, zum Teil widersprüchliche Systeme vereinigt.

Matthias Büchse am 24. Mai 2013

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