Mit Gudrun ins Bett!

Es gibt im deutschen Politik- und Kulturbetrieb der Nachkriegszeit eigentlich kaum einen nennenswerten Beitrag, dessen Bedeutung sich nicht auf irgend eine Weise aus der Nazidiktatur oder dem Zweiten Weltkrieg speist. Auf kultureller Seite ist das leicht zu belegen – man denke nur an so sehenswerte Filme wie Hannah Arendt (2012) oder Der Staat gegen Fritz Bauer (2015), oder man nehme die üblichen Sendungen im ZDF oder bei n-tv. Von Der Untergang (2004) mal ganz zu schweigen.

Was die politische Seite angeht, möchte ich auf die 60er Jahre und den ebenfalls sehenswerten Film Wer, wenn nicht wir (2011) verweisen, der die Vorgeschichte der RAF auf ganz persönlicher Ebene thematisiert. (Die Zeit: Der bessere Baader-Meinhof-Komplex.) Sie wissen schon, die Rede ist von verwöhnten und geltungssüchtigen Bürgerkindern, die vor Selbstgerechtigkeit nur so triefen. Für mich ist es eine köstliche Ironie, dass diese fehlgeleiteten RAF-Spinner letztlich den Nazis dankbar sein durften, weil es ansonsten keinerlei Quelle gab, aus der sich ihre Bedeutung hätte speisen können.

Die Hauptrolle der Gudrun Ensslin in besagtem Film spielt Lena Lauzemis (wie ich 1983 geboren) mit vollem Körpereinsatz. Zu Recht ist sie von allen Seiten für ihre Darstellung gelobt worden. Aber wie damals bei Thomas Fürchtegott – ähm, nee: Fußballgott – Müller ging es natürlich nicht ohne versteckte Gemeinheit: Da hieß es, Müller sei schlaksig, da hieß es, Lauzemis sei androgyn oder blass – ganz so, als ob man derlei Zuschreibung wertfrei verstehen könnte! Über Julia Roberts (ähnlicher Teint und Körperbau) würde man solche Gemeinheiten doch auch nicht schreiben. Damit das klar ist: Lauzemis hat einen für unsere Breiten vollkommen üblichen Teint, und androgyn nennt man vielleicht Männer, die so aussehen wie sie – sie aber ist schlicht eine gutaussehende Frau! Und Thomas Müller ist ein verdammter Athlet und Ballkünstler!

Zwischenfazit: Die RAF bezieht ihre Bedeutung aus den Nazis, und der Film bezieht seine Bedeutung aus der RAF. Man könnte sagen, die Nazis haben eine Bedeutung erster Ordnung (komplett selbst erarbeitet), die RAF zweiter Ordnung, der Film dritter Ordnung. Dann hat dieser armselige Beitrag hier vermutlich eine Bedeutung vierter Ordnung.

Eine Bedeutung dritter Ordnung hatte auch die Rubrik Die Großen Fünf aus der legendären Radiosendung Sanft und sorgfältig vom 8. September 2013 (Download als MP3). Meines Wissens war es das einzige Mal, dass die beiden Moderatoren die Großen Fünf in verschiedenen Kategorien vergaben – Jan Böhmermann nominierte die großen fünf RAF-Terroristen, während Olli Schulz die großen fünf Burger nominierte – Zitat Böhmermann: Olli, du bist ein burgerliches Schwein!

Das war, ist und bleibt die beste Ausgabe der Großen Fünf. Offenbar gab es bis dato im Internet weit und breit keine Seite darüber. Damit muss endlich Schluss sein. Hier kommt die Liste, inspiriert von janundolli.de:

PlatzJan (RAF-Terroristen)Olli (Burger)
5 Ulrike Meinhof; hat Glück, dass sie auf Platz 5 kommt, und auch nur wegen ihrer popkulturellen Bedeutung Halloumi-Burger; gibt es nur in Kreuzberg
4 Andreas Baader; charismatischer Typ, aber letztlich nur hormongesteuerter Macho, impulsiv Fisch-Mäc (Jan: Andreas Baader ist der Fisch-Mäc unter den RAF-Terroristen)
3 Stefan Wischnewski; hat die Begleiter von Hanns-Martin Schleyer mit dem Maschinengewehr erschossen Hot Chili Burger (Jan: Olli, du bist ein burgerliches Schwein!)
2 Brigitte Mohnhaupt; Platz 2 auch wegen des Aussehens; wahnsinnig attraktive 22-jährige Killerbraut; hat eigentlich alles in die Wege geleitet (Schleyer usw.) MacRib; ebenfalls gut aussehend
1 Gudrun Ensslin; ganz klar Platz 1; bürgerlicher Hintergrund, Pastorentocher, protestantische Grundbildung, die eigentliche Macherin BigMac; hat auch einen burgerlichen Hintergrund

Danach kam den beiden die Idee: RAF-Wochen bei McDonald's, der MacMohnhaupt, Chicken McBaader.

Die EU-Geschmacksminister warnen: Sie lasen einen Beitrag, dessen Bedeutung sich im wesentlichen aus der Nazidiktatur speiste.

Da ein Blog nichts wert ist ohne seine Leser, möchte ich zum Schluss noch zwei Leserfragen beantworten, die es leider nicht an meine Adresse geschafft haben.

Erstens: Matthias, du hast behauptet, dass du mit deinem akademischen Grad im Alltag respektlos umgehst. Kannst du uns ein Beispiel dafür geben?

Klar, kann ich: Dr. rer. nat. – der Titel ist länger als der Penis!

Zweitens: Matthias, du hast behauptet, dass du in deinem Blog früher schon deinen Ärger ventiliert hast. Kannst du uns das bitte zeigen?

Na sicher! Schon alleine, um zu demonstrieren, dass früher eben nicht alles besser war.

Matthias Büchse am 25. Oktober 2015

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