Pressemitteilung

Der Vorsitzende der Postmaterialistischen Plattform Deutschlands (kurz: PiMP Deutschland), Dr. Matthias Büchse, äußert sich zu den gestrigen Landtagswahlen:

Gestern ist die AfD in die Landesparlamente in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt eingezogen, und das nicht eben knapp. Der Erfolg dieser Partei verdeutlicht, was sich zuvor nur in einer sinkenden Wahlbeteiligung und somit einer schwindenden Legitimation der Gewählten äußerte: Eine bedeutende Zahl an Bürgern fühlt sich von den etablierten Parteien und ihren Angeboten nicht angesprochen und nicht repräsentiert. Die großen Parteien, allen voran die Merkel-CDU, ruhten sich auf der Hoffnung aus, dass die Unzufriedenen weiterhin keine Stimme bekommen würden, und dass ihre Zielgruppe, die Mittel- und Oberschicht, ihnen weiterhin die Mehrheit für ihre Weiter-so-Politik sichern würde. Dieser Ansatz ist zutiefst undemokratisch, und er ist zu Recht grandios gescheitert.

Wir leben in einer Zeit vermeintlicher Krisen, als da wären: Bankenkrise, Eurokrise, Staatsschuldenkrise, Flüchtlingskrise, Klimakrise. Tatsächlich handelt es sich nicht um Krisen im herkömmlichen Sinn, denn ein Ende ist nicht in Sicht; vielmehr handelt es sich um Anzeichen für das grundlegende Scheitern unseres Wirtschaftssystems. Dieses System beruht seit Jahrhunderten auf der Ausbeutung von Mensch und Natur, und es propagiert ein zynisches Menschenbild. Denn der gesellschaftliche Wert eines Menschen wird hier primär durch dessen Arbeitsleistung und Konsummöglichkeiten definiert. Dazu bringt der technische Fortschritt Umwälzungen in immer kürzeren Abständen; inzwischen schon innerhalb einer menschlichen Lebenszeit.

Die Menschen spüren, dass hier grundsätzlich etwas nicht in Ordnung ist. Viele sind verunsichert und haben Angst um ihre Existenz. Sie fürchten, dass ihre Lebensleistung bald zur Disposition stehen könnte; im Osten Deutschlands vielleicht sogar zum zweiten Mal. Die Menschen erwarten Antworten von der Politik und werden von den etablierten Parteien enttäuscht: Die Mängel unseres Systems werden unzureichend thematisiert, und brauchbare Antworten gibt es schon gar nicht. Damit öffnet man menschenverachtenden Demagogen Tür und Tor. Ja, das Programm der AfD ist menschenverachtend, denn es schiebt ausgerechnet jenen armen Teufeln die Schuld zu, auf deren Rücken unser System über Jahrhunderte prosperierte, und es zielt darauf ab, dieses System weiter zu stützen.

Ich halte fest: Den großen Parteien, ebenso wie vielen Meinungsmachern, ist weiter nichts eingefallen, als die Anhänger der AfD zu beleidigen. Das ist wirklich zu wenig. Diese Parteien haben auf der ganzen Linie versagt, und das ist dreifach schade.

Zum ersten schwächt es unsere ohnehin schwächelnde Demokratie weiter. Die Folgen sind nicht absehbar. Ich kann nur hoffen, dass wir uns nicht in eine Situation hineinmanövrieren lassen, aus der es keinen demokratischen Ausweg mehr gibt.

Zum zweiten: Ideen, Konzepte und kluge Köpfe gibt es genug. An dieser Stelle möchte ich nur drei Namen von vielen erwähnen:

Diese und andere Leute haben etwas Kluges zu sagen, aber die Politik geht darauf unzureichend ein.

Und zum dritten: Man verpasst die einmalige Chance, die sich durch die aktuellen Krisen bietet. Natürlich sind die Menschen verunsichert, und sie haben Angst vor Veränderung. Gleichzeitig spüren sie aber, dass ein Weiter-so auch nicht funktionieren wird. Aus meiner Sicht ist der Wunsch in der Bevölkerung nach einem sinnstiftenden Konzept und einer gestalterischen Haltung sehr groß. Man muss es nur verstehen, den Menschen das Gefühl zu vermitteln, dass man sie bei aller Umgestaltung nicht unter die Räder kommen lässt.

Es braucht eine politische Plattform, die den Menschen mit einer sinnstiftenden Erzählung wieder Mut macht, und die sich nicht scheut, die Große Transformation in Angriff zu nehmen.

Dr. Matthias Büchse,
Vorsitzender und Chefideologe der PiMP Deutschland
,
Dresden, 14. März 2016
minimal redigiert am 3. Oktober 2016

zurück: Die Mehltaurepublik oder: eure Gleichgültigkeit kotzt mich an!
vor: Leben: Das Experiment

Impressum